Eppaner Liedsommer 06.- 13.07.2014

 

Brigitte Fassbaender

Brigitte Fassbaender ist die Tochter der Schauspielerin Sabine Peters und des Baritons und Kammersängers Willi Domgraf-Fassbaender. Die erste gesangliche Ausbildung erhielt sie von ihrem Vater, der auch ihr einziger Gesangslehrer blieb. Von 1958 bis 1961 studierte Brigitte Fassbaender am Konservatorium in Nürnberg und debütierte bereits 1961 an der Bayerischen Staatsoper, der sie 10 Jahre als festes Ensemblemitglied angehörte.[1]

Gastverpflichtungen führten sie an alle führenden Opernhäuser weltweit (u.a. Covent Garden[2], Teatro alla Scala[3], San Francisco Opera[4], Lyric Opera of Chicago[5], Metropolitan Opera[6], Wiener Staatsoper[7] oder der Opéra national de Paris[8]). Brigitte Fassbaender war außerdem ab 1972 regelmäßiger Gast bei den Salzburger Festspielen[9], 1980 übernahm sie die Mezzo-Partie in Verdis Messa da Requiem bei den Festspielen in der Arena di Verona[10], 1983 und 1984 trat sie als Waltraute in der Götterdämmerung bei den Bayreuther Festspielen[11] auf und 1990 sang sie die Clairon in Capriccio beim Glyndebourne Festival[12].

Im Opernbereich verkörperte Brigitte Fassbaender ein ganz unterschiedliches Rollenspektrum, das nicht nur Partien wie Octavian in Der Rosenkavalier (ihre Paraderolle von 1967 bis 1988), Sesto in La clemenza di Tito, Dorabella in Così fan tutte oder Charlotte in Werther (eine ihrer Lieblingspartien) umfasste, sondern auch Prinz Orlofsky in Die Fledermaus, Orestes in Die schöne Helena, Brangäne in Tristan und Isolde, die Titelrolle in Carmen, Eboli in Don Carlos, Marina in Boris Godunov, Klytämnestra in Elektra, die Lady Milford in der Uraufführung von Gottfried von Einems Oper Kabale und Liebe (UA 17. Dezember 1976 Wiener Staatsoper[13][14]) oder die Gräfin Geschwitz in Götz Friedrichs Inszenierung von Alban Bergs Lulu an der Deutschen Oper Berlin (1982). Sie galt als Prototyp der »singenden Schauspielerin«[15], denn Singen bedeutete für sie nie Selbstzweck, sondern war stets verbunden mit darstellerischer Leidenschaft, Detailarbeit im Szenischen und psychologischer Durchdringung der Werke[16].

Ein weiterer Schwerpunkt ihres Wirkens war der Konzert- und Liedgesang. Auch hier war ihr die Wahrhaftigkeit der künstlerischen Aussage, die den Zuhörer/Zuschauer erreicht, »letztlich wichtiger als der reine Schöngesang«.[17] Jährliche Liederabende gab Brigitte Fassbaender ab 1983 in der Wigmore Hall in London und ab 1986 bei der Schubertiade[18]. Ihr Repertoire umfasste Lieder u.a. von Franz Liszt, Richard Strauss, Johannes Brahms, Franz Schubert oder Gustav Mahler. Als bisher einzige Frau nahm sie zusammen mit dem Pianisten und Komponisten Aribert Reimann die drei großen Schubert-Zyklen (Die schöne Müllerin, Winterreise, Schwanengesang) auf. 1992 schrieb Aribert Reimann für Brigitte Fassbaender den A-cappella-Zyklus Eingedunkelt (nach neun Gedichten von Paul Celan), den sie erstmals am 26. Juni 1993 bei der Schubertiade in Feldkirch aufführte.[19]

Über 250 CD- und Schallplattenaufnahmen, ein Großteil davon im Lied- und Konzertbereich, dokumentieren ihre Bedeutung als Sängerin. Ihre Tonträger erhielten zahlreiche Preise, darunter zweimal den renommierten Gramophone Award (1987, 1992).

1994 beendete sie ihre Karriere als Opern-, Lied- und Konzertsängerin, um sich der Regie von Oper und Schauspiel zu widmen. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt dabei auf Werken von William Shakespeare. Bereits 1989 hatte sie als Spielleiterin den Rosenkavalier in München einstudiert, ein Jahr später folgte die erste eigene Inszenierung mit Rossinis Cenerentola in Coburg. Seit 1992 ist die regelmäßige Regiearbeit wichtiger Bestandteil ihres Schaffens. Von 1995 bis 1997 war Brigitte Fassbaender interimistische Operndirektorin am Staatstheater Braunschweig[20], in den Jahren 1999 bis 2012 leitete sie als Intendantin das Tiroler Landestheater. 2002 wurde sie als künstlerische Leiterin des Eppaner Liedsommers berufen. Darüber hinaus hatte sie von 2009 bis 2017 die künstlerische Leitung des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen inne. Seit 2005 ist sie als Nachfolgerin von Wolfgang Sawallisch Vorsitzende der Richard-Strauss-Gesellschaft (RSG) in München.

Brigitte Fassbaender ist außerdem als Gesangspädagogin tätig und engagiert sich für die Förderung junger Gesangstalente. Ihr Wissen gibt sie in Meisterkursen/Workshops im In- und Ausland an den sängerischen Nachwuchs weiter (u.a. Bregenzer Festspiele, Eppaner Liedsommer, Heidelberger Frühling, Wigmore Hall, Internationale Hugo-Wolf-Akademie, Internationale Meistersinger-Akademie, Richard-Strauss-Festival). Zu ihren Schülern zählen unter anderem: Juliane Banse, Michelle Breedt, Anke Vondung, Christiane Libor, Martin Mitterrutzner und Janina Baechle. Sie ist als Jury-Mitglied bei wichtigen Wettbewerben vertreten (z.B. Das Lied. International Song Competition), 2012 war sie Jury-Vorsitzende des ARD-Wettbewerbs für Gesang sowie in gleicher Funktion 2014 und 2015 beim Hugo-Wolf-Liedwettbewerb in Stuttgart bzw. Hilde-Zadek-Wettbewerb in Wien. 2017 übernahm sie die Schirmherrschaft der Internationalen Meistersinger Akademie in Neumarkt in der Oberpfalz.[21]

Brigitte Fassbaender übersetzte die Libretti von Jacques Offenbachs Robinson Crusoé (2006) und von Michael Nymans Love Counts (2008). 2010 verfasste sie den Text für Lulu – das Musical (nach Frank Wedekind, Musik: Stephan Kanyar). Die Uraufführung fand am 15. Mai 2010 im Tiroler Landestheater in Innsbruck statt. Dort folgte am 5. Mai 2012 die Uraufführung des Musicals Shylock!, zu dem sie ebenfalls das Libretto geschrieben hatte (nach Shakespeares Tragikomödie Der Kaufmann von Venedig; Musik: Stephan Kanyar).[22] Neben der schriftstellerischen Tätigkeit ist für Brigitte Fassbaender vor allem die Malerei »regenerierende Kreativität«. Es entstanden u.a. Bilderbücher für Erwachsene und Kinder oder Illustrationen zu (Kinder)-Konzerten, auch für Ausstellungen stellt sie ihre Arbeiten gelegentlich zur Verfügung.[23][24]